Microsoft streicht die Mobil-Sparte zusammen, aber mal so richtig

Oha, es ist wieder so weit und Microsoft geht einen für mich schon lange erwarteten Weg. Die Mobil-Sparte wird von Microsoft nun stark zusammen gestrichen, wie das Unternehmen aus Redmond verkündet hat. Damit ist klar, dass sich das „Nokia-Experiment“ nicht gelohnt hat. Die Mobil-Sparte wurde ja im Jahr 2013 durch den Zukauf des einstigen Mobilfunk-Primus Nokia stark erweitert und nach nur 3 Jahren streicht Microsoft jetzt die Segel. Schon im letzten Jahr lief es nicht gut für die Redmonder und es mussten satte 7,6 Milliarden US-Dollar abgeschrieben werden (hier mal als imposante Zahl: 7.600.000.000). Alleine in diesem Jahr werden dann nochmal weitere 950 Millionen US-Dollar abgeschrieben.
Hui, das sind Zahlen mit so vielen Nullen, dass ich sie mir nicht einmal vorstellen kann! Für das Geld hätte ich mir unglaublich viele tolle Gadgets kaufen können, da steigen mir doch glatt Tränen in die Augen.

Was macht Microsoft nun also?

Tja, der Plan des Software-Riesen sieht nun wie folgt aus: Man muss sehr viele Kosten einsparen und am besten trennt man sich direkt fast gänzlich von der kranken Mobil-Sparte. Dies bewerkstelligt Microsoft so: Die Mobil-Sparte wird an Foxconn ausgegliedert, 1.850 Mitarbeiter werden bis 2017 entlassen und das war es dann auch schon im Großen und Ganzen. Zack sind ein paar wichtige Dollar eingespart und ein Mobilbetriebssystem quasi schon wieder begraben. Übrigens sind 1.350 der Mitarbeiter, die von den Entlassungen betroffen sind, Mitarbeiter aus Finnland, dem alten Nokia-Standort. Damit dürfte dann wohl auch klar sein, dass bis 2017 kein alteingesessener Nokia-Mitarbeiter mehr dabei sein wird.
Jetzt wollen wir aber nicht gleich schwarzmalen, denn Microsoft gibt natürlich offiziell noch nicht ganz auf und hat auch konkrete Pläne, was nun zusätzlich zu den Streichungen passieren soll.

Business for the Win

Microsoft gab auch bekannt, dass man sich nicht ganz vom Mobilen Windows 10 trennen möchte.
Klar, man hat ja auch noch ein Surface im Programm, das will weiter bespaßt werden. Und das Surface Tablet wurde vermutlich bisher besser verkauft als die Smartphones. Leider habe ich dazu keine konkreten Zahlen und kann das daher nur aus dem Bauchgefühl heraus behaupten.
Der Plan: Microsoft möchte nun dahin gehen, wo die Kunden sind, und die sieht Microsoft klar im Business-Bereich. Bedeutet also, man möchte den Consumer-Bereich eher einstampfen, da Privatkunden nicht so interessant sind. Daraus resultiert, dass es dieses Jahr auch kein neues Smartphone mehr geben soll und das Surface Phone, wenn überhaupt, erst nächstes Jahr erscheint.
Grundsätzlich ist der Gedanke von Microsoft nicht unverständlich, denn auch Apple kooperiert ja seit einiger Zeit mit IBM und SAP, um den eigenen Business-Bereich auszubauen.
Microsoft will sich also nun auch auf die Geschäftskunden konzentrieren und die Privatkunden sollen erstmal mehr oder weniger in die Röhre gucken. Wobei auch das nicht ganz so ist, die Redmonder sagten eher etwas in der Art wie „Die Privatkunden sind egal, aber wenn sie ein Smartphone mit Windows 10 Mobil haben wollen, müssen sie die gleichen Interessen wie Business-Kunden haben.“ Das haben sie zwar nicht genau so gesagt, aber man konnte es unmissverständlich daraus lesen und verstehen.
Doch ist das wirklich die Lösung für ein gestrandetes Windows 10 Mobile?
Nein, ich denke nicht!
Zwischen den Zeilen war übrigens auch zu lesen, dass man bei den Geschäftskunden vor allem auch die sagenhafte und unglaubliche Continuum-„Idee“ weit vorne sieht.

Ich glaube, das wird nichts!

Ich glaube allerdings, das wird nix werden. Warum? Weil Microsoft von Anfang an Fehler gemacht hat, aus denen sie leider nicht zu lernen scheinen. Natürlich kenne ich ebenso wie alle anderen Blogger, die sich dazu äußern, immer nur eine Seite der Medaille, aber ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte: „Das wird nix!“
Und warum das nix wird, ist auch recht einfach. Microsoft hat seine mobile Lösung einfach von Anfang an nie richtig zu Ende gedacht. Windows 10 Mobile hatte super Voraussetzungen, ein echter iOS- und Android-Konkurrent zu werden. Das OS an sich ist recht schnell und es gab viele gute Ideen, die aber leider alle nur halb umgesetzt wurden. Das besagte Continuum ist ein sehr gutes Beispiel.

Continuum ist eine Krücke

Klar, es ist super genial, den PC quasi in der Hosentasche zu haben. Gerade für besagte Business-Kunden ist es doch super, zu einem Meeting zu kommen, das Smartphone an ein Kabel anzustecken und dann die Präsentation zu zeigen. Keine Laptops mehr im Gepäck ist schon cool. Das mit der Präsentation ist auch schon ganz gut nutzbar. Aber arbeiten kann ich mit Continuum einfach noch nicht richtig, genau das wäre aber jenes „Killer-Feature“, das Microsoft brauchen würde, um sich einfach auch von der Masse abzuheben. Stattdessen ist Continuum alles andere als ein echtes Windows. Hier wurde also nicht weiter gedacht. Zwar kann ich mein Smartphone mit Windows 10 Mobile an einen Bildschirm hängen und eine Tastatur und Maus anschließen und mit einigen Apps im Vollbild arbeiten, aber doch noch lange nicht so, wie es mit einem Rechner wäre. Denn ich kann keine Windows-Programme installieren. Es muss immer eine Universal App sein und davon wird einfach bisher kaum etwas entwickelt. Und dann macht Windows seinem Namen nicht mal wirklich alle Ehre, denn alle Apps laufen auch nur im Vollbildmodus und nicht im Fenster. Also ist es einfach nicht zu Ende gedacht worden und so, wie es aktuell ist, ist es für Firmen nicht interessant.
Gleiches gilt aber für das gesamte Windows 10 Mobile. Über die Optik der Kacheln kann man ja streiten, wie man möchte, mir persönlich gefällt die Kacheloberfläche von Windows sogar sehr. Die Live-Kacheln finde ich auch richtig cool und von daher ist das schon mal gut gelaufen. Nun kommt wieder mal das ABER. Das Betriebssystem ist teilweise total unübersichtlich. Das liegt nicht an den Kacheln, sondern mehr am Aufbau. Schaut man sich alleine die Einstellungen an, so gibt es in fast jedem Einstellungsmenü noch irgendwelche kleingeschriebenen und versteckten Links zu weiteren Einstellungen, die man aber mehr als schnell übersieht. Einen Auszug daraus könnt ihr in meinem Video zur Erstkonfiguration sehen:

Sobald man sich in irgendwelchen Einstellungen befindet, wird es extrem unübersichtlich und unstrukturiert. Man kann so viel einstellen, weiß aber nicht, wo.

Und dann sind da noch die lieben Apps

Business hin oder her, bisher kann man einfach nicht von der Hand weisen, dass mobile Betriebssysteme mit den Apps und der App-Auswahl stehen und fallen. Und wenn wir hier mal einen dezenten Blick in die App-Landschaft des Microsoft Stores werfen, stellen wir schnell fest, dass es hier auch nach 3 Jahren mehr als mau aussieht. Klar, gibt es die wichtigsten Apps wie Facebook, Instagram (gerade erst aus dem Beta-Stadium raus) oder Twitter. Natürlich gibt es auch die tollen Office Apps von Microsoft selbst, die zum Großteil auch wirklich gut geworden sind. Doch dann war es das auch schon langsam. Und ob nun Business oder nicht, mit den paar Apps im Store lässt sich einfach kein Preis gewinnen. Entwickler sehen keinen Anreiz für Windows zu programmieren – warum auch? IOS war ein Vorreiter, Google schaffte einen Anreiz, indem sie auf eine offene Architektur und eine Programmiersprache setzten, die bereits vielen bekannt gewesen ist. Nun müsste Microsoft einen oben draufsetzen. Auch hier gab es wieder eine unglaublich gute Idee. Apps sollten mit wenig Aufwand von iOS und Android zu Windows 10 Mobile portiert werden können. Das wäre super gewesen und vermutlich auch erfolgreich. Microsoft ruderte hier recht schnell wieder zurück und fuhr die ganze Idee „wegen zu hohen Aufwands“ nach und nach zurück. Auch hier eine extrem geniale Idee, die wieder nicht zu Ende gedacht wurde. Die UI vieler Apps nutzen den Bildschirm darüber hinaus nicht richtig. Ein Lumia 950 und sogar der große Bruder, das Lumia 950 XL, hat ein großes Display und bietet viel Platz für Content. Anstatt diesen Platz sinnvoll zu nutzen, wird in den Apps viel lieber alles mit riesigen Schriften und viel zu großen Grafiken zugepflastert, weil die Apps einfach nicht für die verschiedenen Display-Größen optimiert wurden und häufig noch eine Entwicklung für die Vorgänger-Versionen der Windows Phones sind.
Insgesamt gehe ich also davon aus, dass Microsoft das Ganze irgendwann gänzlich begraben wird. Einen Lichtblick gibt es aber dennoch, denn Microsoft hat angekündigt, sich auch mehr auf die bestehenden und erfolgreichen Betriebssysteme wie iOS und Android konzentrieren zu wollen. Man möchte in Zukunft mehr und bessere Apps für die beiden Systeme entwickeln. Das kann ich mir jedenfalls auch gut vorstellen, denn die aktuellen Office Apps sind schon ganz gut gelungen. Hier schlummert auf alle Fälle noch Potenzial.
Was denkt ihr über Microsoft und das Windows 10 Mobile? Gehen die Redmonder jetzt den richtigen Weg? Ich bin auf eure Meinungen gespannt!

Geek1elf!

Geek, Technik-Freak, Hobby-Fotograf. Ich liebe technischen Schnickschnack. Folge mir in die Welt von Smartphones und anderem Geek-Spielzeug.

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