Die Notch, zu dickes Kinn – unsere First World Problems

Dieses Mal gibt es keine echten Technik News von mir, sondern viel mehr ein wenig meiner Gedanken, die sich manchmal aufdrängen, wenn ich so durch meine Social Media Apps streife. Himmel ich bin sicher der Letzte, der sich über Konsum und Technik Nerds aufregen sollte, ich bin ja selbst einer. Aber dennoch, ich muss wenigstens Mal ein paar Zeilen zu dem Thema schreiben.

Wir sind extrem verwöhnt worden

Gerade seit dem Leak der Google Pixel 3 XL Bilder stelle ich vermehrt fest, wie verwöhnt wir doch inzwischen sind. Da wird über die Notch gejammert und ein zu dickes Kinn. Alleine die Tatsache das es dafür Begriffe gibt ist eigentlich schon gruselig. Früher hätte man es einfach Displayränder genannt oder Einkerbung. Aber das ist ein anderes Thema. Fakt ist aber, wir, und damit meine ich in erster Linie die Technik Nerds unter uns, sind extrem verwöhnt und jammern auf einem extrem hohen Niveau.

Bleiben wir beim Google Pixel 3 XL Leak. Da wird also gejammert, dass das Display eine Notch, also Einkerbung oben hat, wo die Kamera und die Sensoren untergebracht werden. Das Kinn, also der untere Displayrand ist auch zu dick. Aber schauen wir doch mal nur ein Jahr in die Vergangenheit, oder vielleicht 1,5 Jahre. Da gabe es Displayränder die mehrere Zentimeter dick gewesen sind und das war o. k. für alle. Klar, zu der Zeit wusste man noch nicht, was technisch so geht. Und inzwischen hat es Apple mit dem iPhone X gezeigt, das man sehr wohl unten das Kinn dünner gestalten kann. Und natürlich sieht es genial aus, wenn man quasi nur Display in der Hand hat. Aber zu welchem Preis? In meinem Video: „Die Wahrheit über das iPhone X“ habe ich mal über meine Erfahrungen mit dem wirklich großartigen Stück Technik gesprochen. Vor allem aber auch über den Preis, der damit einhergeht. Klar die Margen von Apple sind extrem hoch, aber um ein Kinn so dünn zu bekommen, muss einiges an Aufwand betrieben werden. Und das treibt die Produktionskosten stark in die Höhe und sorgt am Ende des Tages dafür, das wir, der Endverbraucher tiefer in die Taschen greifen müssen.

Klar, auch ein Pixel 3 XL wird preislich vermutlich kein Schnäppchen werden, ob es aber so teuer sein wird wie ein iPhone X? Ich bezweifle das Mal. Grundsätzlich ist Design natürlich etwas rein subjektives. Aber wenn man Mal so im Freundes- und Bekanntenkreis herumfragt, wie sie die Notch finden, oder das Kinn, dann schauen mich sehr viele irritiert an.

Der „nicht Nerd“ interessiert sich beim Kauf nicht für die Notch und das Kinn

Ich habe mich mal ein wenig umgehört und mir auch ein paar Foren durchgesehen. Und wenn man sich mal den normalen Verbraucher ansieht, dann stellt man fest, dass denen Dinge wie die Notch oder das Kinn, ja teilweise sogar die Displayränder an sich, vollkommen egal sind. Klar sagen sie auch „Wow“ wenn sie ein Gerät mit fast nur Display in Händen halten, aber das passiert eher unbewusst. Nur wenige laufen wirklich ins Geschäft und sagen, ich möchte gerne ein Smartphone ohne Notch und am besten ohne Kinn, oder aus einem bestimmten Material. Viele da draußen wissen nicht mal das ein Smartphone mit Aluminium Gehäuse einfach kein kabelloses Laden kann, weil es technisch nicht möglich ist. Der Nutzer möchte am Ende des Tages eines, ein funktionierendes Smartphone!

Funktionieren muss es

Und da sind wir auch schon bei einem der wichtigsten Dinge. Das Wichtigste an egal welchem Stück Technik ist doch, neben der Tatsache das es uns optisch grundsätzlich gefallen muss, was auch immer das für jeden Einzelnen bedeutet, das es funktioniert. Und das gerne so, wie ich es erwarte. Nicht umsonst verkaufen sich auch iPhones im alten Design immer noch sehr gut. Der Nutzer, der gut mit iOS klarkommt ist Happy damit. Ein Android Nutzer möchte auch das es einfach funktioniert. Das schönste Smartphone bringt nichts, wenn es nicht ordentlich rennt. Wenn Buttons an eine Stelle verschoben werden, wo man sie nicht erwartet oder Ähnliches. Usability ist ein Riesen Thema. Die kleinen Taschencomputer von heute sind im Regelfall bis auf wenige Ausnahmen kleine Raketen und reichen für die gängigen Apps alle locker.

Solange die Apps gut laufen, die Kamera gute Bilder macht und die Kamera App dazu einfach in der Handhabung ist, ist alles super. Den oft gelobten, oder wenn nicht vorhanden kritisierten, Profi Modus in Kamera Apps z.B. braucht kein Otto Normalverbraucher. Die Leute wollen das Smartphone aus der Tasche holen und draufhalten. Dann muss das Bild gut aussehen. Ich würde, behaupten das vielleicht maximal 2 % der Menschen mit Smartphone den Profi Modus überhaupt verwenden. Liegt sicher auch daran, dass die meisten normalen Nutzer nicht mal wissen, was eine Blende eigentlich ist und wie sie funktioniert. Warum auch?

Und genau an dieser Stelle sind wir auch wieder beim Pixel 3 XL, das ich hier wirklich nur exemplarisch nutze, weil es gerade oft in meiner Timeline zu sehen ist. Man mag sich über die Optik zu dem Gerät streiten können und darüber das Google sich eher auf die Software konzentriert als aufs Design. Aber zum einen ist Google ein Software-Unternehmen und zum anderen läuft Stock Android großartig auf den Pixel Geräten. Die Kamera App ist einfach und macht großartige Bilder. Und zwar weil die Software sehr gut ist. Nicht weil die Linse ganz besonders ist oder weil man 12 Linsen eingebaut hätte. Viel Hardware ist oft einfach nur Marketing. Eine dritte Kamera Linse für noch bessere Bilder, 8 GB RAM, ein Display, das „nur“ 5 Zoll hat und eine höhere Auflösung als mein Fernseher bietet. Die meisten Menschen sehen den Unterschied auf dem Display nicht einmal. Alles irgendwie First World Problems. Wichtiger wäre meiner Ansicht nach, Smartphones zu einem fairen Preis zu verkaufen.

Niemand braucht 20 Modelle von einem Hersteller

Nicht mehr 1000 Modelle auf den Markt zu bringen, die sich kaum noch unterscheiden, sondern lieber 3 Modelle für verschiedene Anwender, wie Einsteiger, Mittelklasse und Profi oder Ähnliches. Das würde vor allem für den Nutzer extrem viel bringen. Vor allem wenn die ganze kreative Energie der Unternehmen in nur drei Geräte fließt, anstatt das immer gleiche Geräte mit nur etwas abgewandelter Hardware noch einmal auf den Markt zu schmeißen. Daraus könnten großartige Dinge entstehen. Bei einigen Firmen verlieren selbst die Nerds den Überblick über die Produktpalette und an wen sich das Smartphone eigentlich inzwischen richtet.

Lasst uns doch weniger über 2 mm mehr Kinn und dicke, dünne oder gar keine Notch mehr reden und lieber darüber, ob ein Smartphone sein Geld wirklich wert ist und wie es für den Nutzer wirklich läuft. Denn das ist es, was die Leser und Zuschauer am Ende wissen wollen, wenn sie unsere Blogs lesen und unsere Videos sehen. Ist das Gerät sein Geld wert? Und wie schlägt es sich im Alltag? Das alles soll natürlich nicht bedeuten, dass man nicht über Design diskutieren darf oder soll. Versteht mich da bitte nicht falsch! Aber es ist einfach manchmal viel mehr die rede von, „dieses sieht schlecht aus und das sieht schlecht aus“, als davon, was ein Gerät leistet. Ein wirklich hässliches Gerät begegnet mir aktuell sehr selten auf dem Markt. Von daher kann man sich auch mehr auf das Wesentliche konzentrieren.

Was meint ihr dazu? Seht ihr das auch so? Oder seid ihr ganz anderer Meinung?

Geek1elf!

Geek, Technik-Freak, Hobby-Fotograf. Ich liebe technischen Schnickschnack. Folge mir in die Welt von Smartphones und anderem Geek-Spielzeug.

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